Spur der Steine

14.04.201915:00 Uhr

Filmreihe "Aufbrüche": Meisterwerk des Defa-Films von Frank Beyer, dessen Kritik an bürokratischer Schlamperei und Unfähigkeit von Parteigenossen 1966 nach von der SED organisierten Unruhen mit Stoßtrupps aus den Kinos genommen wurde.

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Astra Theater Aufbrüche Klassiker FSK6

Regie Frank Beyer
Besetzung Manfred Krug, Krystyna Stypulkowska, Eberhard Esche, Johannes Wieke, Ingeborg Schumacher, Gertrud Brendler, Hans-Peter Minetti
Länge 134 Minuten
Land / Jahr DDR 1966

“Spur der Steine beweist: der junge deutsche Film der DDR ist, selbst nach über dreißig Jahren, eine Entdeckung wert. Frank Beyers Film ist respektlos wie Zur Sache Schätzchen, sensibel wie der junge Wenders, atmosphärisch dicht wie Fassbinders erste Filme.” (Quelle: Zitat Deutsches Filminstitut)

Auf einer Großbaustelle arbeitet Brigadier Balla mit seinen Leuten. Sie arbeiten viel, damit das Geld stimmt und steigen auf die Barrikaden, wenn Sand im Getriebe ist. Um fehlendes Material zu beschaffen, gehen sie eigene anarchistische Wege. Von dieser rauen Truppe sieht der neue Parteisekretär Horrath seine Autorität untergraben. Die beiden Kontrahenten verbindet eine Mischung aus Respekt und Rivalität. Neu auf der Baustelle ist auch die Bauingenieurin Kati, in die Balla als auch Horrath sich verlieben. Sie geht, was die Baustellenprobleme anbelangt, mit Balla konform, ihre Liebe aber gehört Horrath, von dem sie ein Kind erwartet. Horrath gerät in Schwierigkeiten, denn er hat bereits Frau und Kinder.

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Anarchismus in der Planwirtschaft: Mit Anleihen bei John Sturges’ Western “The Magnificent Seven” (1960) verdeutlichte der Film in fesselnder “Totalvision”, wie die gemeinsamen “Aufbauleistungen” zweier moralisch bedenklicher Außenseiter dem Parteiapparat entgleiten. Hans Helmut Prinzler, 1966: “So kritisch hat bisher kein DEFA-Film das Wirken der Partei mit ihren Widersprüchlichkeiten gezeigt.” Bei den Arbeiterfestspielen 1966 noch positiv aufgenommen, wurde er kurz darauf bei der Kinopremiere Opfer eines inszenierten Eklats, nach weiteren gelenkten “Protesten” binnen weniger Tage “wegen antisozialistischer Tendenzen” aus den Kinos genommen und erst im November 1989 wiederaufgeführt.

Quelle: 66. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

 

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